auf.kante
Gunnar macht sich selbststaendig und fliegt auf
die Schnauze
wird erfolgreich. Wer mag darf zuschauen.
Gunnar is starting his business. He will certainly
fail succeed. You may watch.
auf.kante

Thu, 24 Aug 2006

Nachgedacht

Natürlich hätte ich mir das Kleingedruckte bei Ryan Air vorher durchlesen sollen. Hätte. Sollen. Aber wer klickt schon einmal zu wenig als lieber ein-, zweimal zu viel. Warnungen und Informationen, die das Leben vereinfachen könnten, verschwinden so im elektronischen Nirvana.

Nun stehe ich hier. Auge in Auge mit einer bissigen Stewardess.

"Nein, das geht so nicht! Das müssen sie aufgeben!"

So, muss ich das?

Ja, ich muss. Ich brauche wohl kaum hellseherische Fähigkeiten, um den Schwingungen, die mir hier entgegen wallen zu entnehmen, dass die Dame heute nicht den besten Tag hat. Vielleicht auch nur mal wieder keinen Guten in der üblichen Aneinanderreihung beschissener Tage. Wer will das schon wissen.

Fakt ist: Ich muss hektisch umpacken. Wie in solchen Situationen üblich, bestimmt eine klare, bestechende Logik mein Handeln. Panikartig, hastig krame ich in meiner fett gepackten Tasche. Födere zutage, was mein Hirn mir als zwingend erforderlich für die eine Stunde Flug diktiert. Fünf Jonglierbälle.

Natürlich kann ich an diese Tatsache keinen zweiten Gedanken verschwenden. Schließlich muss ich mein wertvolles Reisegut noch notdürftig gegen die rauhen Hände des Flughafenpersonals wappnen. Zwei, drei rasche Handgriffe. Krams und kleine Beutel werden umgepackt, und dann presse ich meinen Daumen in die Klingen meines Naßrasiers. Dank erstklassiger Gilette Qualität ist der Vorgang schmerzfrei, aber ich blute jetzt in Sekundenschnelle meine Tasche voll.

Ich stecke mir den Daumen in den Mund und wende mich meiner Stewardess zu. Sie schaut mich trotz meiner bizarren Vorstellung völlig ungerührt an, während ich mir irgendwie zusammen nuschel, ob die Tasche nicht doch irgendwie als Handgepäck durchgeht.

Heute jedoch kein Tag für Gnade, ganz im Gegenteil. Ich muss 7 Euro draufzahlen. Irgendwo da hinten in der Ecke.

"Ihr Beleg. Nächster bitte!"

Links retardiert daumenlutschend, klammert sich die Rechte verzweifelt um fünf Bälle, die Jacke hängt irgendwo an der rechten Schulter rum, das Portmonaie unter der Achsel. Ich eiere leicht irritiert von Checkin-Personal zu Security, nuschel mir was von "Nachbezahlen" durch den Daumen und erreiche irgendwann meinen Zielschalter. Der Mensch hat etwas Mitleid nachdem ich ihm ungelenk 10 Euro auf den Tresen geschmissen habe. Und schickt mich erst mal zur Versorgung mit Pflaster in die Information. Währenddessen macht er meinen Krams fertig.

Wunderbar, eine Sorge weniger. Ich laufe mit deutlich erhöhter Contenance durch den finalen Security-Check. An diesem Punkt setzt das erste Anzeichen von Hirntätigkeit wieder ein und ich muss mich der irritierenden Frage stellen, warum meine rechte Hand fünf Bälle umklammert hält. Diese Frage erörtere ich jedoch nicht mit der Security sondern eile gesenkten Hauptes in die Wartehalle und lasse mich in eine Ecke fallen.

Nachdenklich schenke ich meinem weiß umfassten Daumen einen wehleidige Blick und beginne mir auszumalen, wie ich mich mit fünf Bällen auf diesem Flug selber bespaßen kann. Für die komplette Fünf-Ball-Jonglage wird die Deckenhöhe vermutlich eher nicht ausreichen. Sollte ich meiner Lieblings-Stewardess vom Check-In wieder begegnen, könnte mir selbst das friedliche Jonglieren mit drei Bällen einen bösen Blick einbringen. Was bleibt und auch zur derzeitigen Sicherheitslage passen würde, ist natürlich der Einsatz als tödliches Wurfgeschoss zu terroristischen Zwecken.

Nun bin ich aber ein eher friedlicher Zeitgenosse und vielleicht kaufe ich mir dort drüben einfach diesen netten kleinen Bleistift. Vielleicht einfach zehnmal runter schreiben "Erst nachdenken, dann handeln!". Und ein bisschen gutes altes Paper-Blogging. Damit das auch einsinkt. Und sollte mir die Schreibwut ausgehen, ist so ein Bleistift auch im terroristischen Einsatz nicht zu verachten.

blog:read - Ich kann es nicht lassen

Irgendwie kann ich die Finger nicht vom Mikro lassen. Es war nicht wirklich eingeplant, aber der letzte Eintrag der Nachtschwester hatte etwas so schön düsteres, dass ich spontan wieder zum Headset gegriffen habe. Das Resultat.

Technisch geht das Ganze mittlerweile und ich fange an zu begreifen, was ich in Audacity machen darf und was nicht. Eigentlich eine recht einfach Regel: Möglichst gar nichts machen. Nur nach der Aufnahme den Ton etwas verstärken, die schlechten und wiederholten Sequenzen rausschneiden, Musik reinsetzen und fertig. Alles Filtern, Rauschunterdrückung und Anpassen bringt zwar manchmal spontan den Eindruck, dass es besser klingen würde. Aber meist stellt es sich dann im Nachhinein doch als zu unnatürlich heraus. Die einzige Funktion, mit der ich ab und zu liebäugel, ist die Möglichkeit niedrige Frequenzen raus zu ziehen. Um dann letztendlich doch wieder "Undo" zu drücken. Langsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Leider war ich diesmal nicht wirklich mit der Musik zufrieden. Mit der eigenen Stimme auch noch nicht richtig, aber das ist etwas bei dem ich mehr Zeit brauche. Egal, zurück zur Musik. Manchmal ist es recht schwierig ein freies Stück unter Creative Commons Lizenz zu finden. Vor allem wenn man etwas Spezielles sucht. In meinem Kopf spielte im Hintergrund bei diesem Beitrag jedenfalls ein einsames Saxophon. Das fand sich aber in einer einstündigen Suche nicht und dann habe ich es gefrustet dran gegeben. Warten wir mal noch zwei Jahre, dann wird es da sicherlich auch noch Systeme geben, die so geile Musiksammlungen bieten, dass man einfach alles findet.