Scheiter heiter
Wir stehen ganz entspannt.
Ich bin nicht entspannt. Ganz im Gegenteil. Auch wenn die Worte aus meinem Mund perlen, so spricht mein Körper eine völlig andere Sprache. Schließlich mache ich das hier zum ersten Mal. Da läge mir nichts ferner als meine Muskeln in den Zustand lockerer Entspannung zu versetzten.
Und jetzt rollen wir uns langsam und völlig entspannt gegen Boden ab. Die Knie nicht durchdrücken.
Auch wenn sich mein Körper in gelöster Form gen Boden verflüchtigen soll, bewirken meine eigenen Anweisungen das Gegenteil. Ich verlasse mich für einen Moment, empfinde mich als fahrig, zu schnell und unkonzentriert.
Um die Unsicherheit zu überspielen springe ich unkoordiniert zur nächsten Übung durch, lasse so etwas wie Lockerheit gar nicht aufkommen. Merke, dass ich schneller werde. Entspannungsübungen im D-Zug Format.
Vergessen wir die Entspannung. Mein Inneres schlägt leise Alarm. Hier fehlt etwas.
Versucht Euch auf die Anderen einzulassen.
Vielleicht gelingt es mir wenigstens die Gruppe aufeinander einzuschwingen. Doch ich bin zu anspruchsvoll, selbstkritisch und schaffe es ja nicht einmal meine eigenen Schwingungen mit nur irgend etwas in Einklang zu bringen.
So haste ich von Punkt zu Punkt, von Übung zu Übung, verfalle in daher gehaspelten Erklärungen, die unverständlich bleiben. Ohne Ziel im Raum stehen. Unbehagen erfüllt mich. Ein Gefühl das ich transparent nach außen durchblicken lasse.
Pause.
Die Ansammlung an Fehlern aus der ersten Halbzeit würde mir für eine Weile reichen. Aber ich darf uns auch noch durch die zweite Hälfte schleifen. Die Fehler verfestigen und vertiefen.
Die Schauspieler spielen gegen alle Regeln, verlassen entnervt die Bühne, brechen kichernd auf dem Boden zusammen und ich ... ich bin Chaos.
Und ende ... ende mit einem Blick auf mich selbst und einem zufriedenen Lächeln. Improvisieren heißt scheitern.
Posted at: 13:17 | Permalink | category: /deutsch/impro
