auf.kante
Gunnar macht sich selbststaendig und fliegt auf
die Schnauze
wird erfolgreich. Wer mag darf zuschauen.
Gunnar is starting his business. He will certainly
fail succeed. You may watch.
auf.kante
www.flickr.com

Tue, 26 Sep 2006

Haben sie etwas zu verzollen?

Ich stolpere mal wieder in schwitzender Hektik die Treppe hoch. Sekretariat, hier bin ich richtig. Kurz vorher links in den Raum rein und ... Hä? Falsches Land? Die kenne ich ja gar nicht. Mist, wieder verbockt. Es kann doch nicht so schwierig sein sich einen Raum zu merken. Ich setze fast wieder in den Rückwärtsgang und erhasche im letzten Moment noch einen Blick auf Anke. Die kenn ich doch. Die blonde Anke, mit Blümchen-Top und dem Schriftzug "Perfect Love" über den Busen gedruckt. Hier bin ich doch richtig. Nur die anderen beiden sind mir unbekannt. Wir scheinen Zuwachs bekommen zu haben. Schweden erfreut sich offensichtlich ungeahnter Beliebtheit.

Also bewege ich mich wieder in den Raum hinein und platziere mich neben Anke. Während ich mich um etwas Small Talk bemühe blinzele ich neidisch auf ihre Kaffeetasse. Irgendwann muss ich mal früher kommen, dann schaffe ich auch den Kaffee vorher noch. Ob ich vielleicht noch kurz runter renne, bevor unsere Lehrerin Agnes reinschneit?

Nein, da kommt sie. Abgehetzt, im Mantel, völlig durch den Wind. Sie strahlte auch schon mal mehr Ruhe aus. Und sofort befinden wir uns im Profi-Kurs Schwedisch. Sie brabbelt vom Zug aus Bremen, 45 Minuten Verspätung, Hamburger gefuttert, ihr ist schlecht, sie braucht noch zwei Minuten. Und stürmt gleich wieder raus. Die zwei Neuen sind leicht irritiert. Sie hatten hier den Anfängerkurs vermutet. Und die Bahn-Hamburger-Geschichte war deutlich außerhalb der dreißig Vokabeln der ersten beiden Stunden.

Nach fünf Minuten rauscht Agnes wieder in den Raum. Zustand unverändert und die fahrigen Bewegungen an der Stirn deuten eine Migräne an. Sie platziert Wasserflasche, Glas und Aspirin schon mal auf dem Tisch und entledigt sich dann ihres Mantels. Immerhin kann sie noch fröhlich auf Schwedisch daher plappern und textet Anke und mich mit Sätzen zu, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordern und an manchen Stellen zum Ratespiel verkommen.

Dann endlich die Gelegenheit für die beiden Neuen sich mal vorzustellen. Ellen neben mir hat schon reichlich große Augen bekommen aber Agnes meint fürsorglich, dass sie sich nicht zu fürchten bräuchte. Das sei wirklich ein Anfänger-Kurs. Nein, Ellen beteuert, sie hätte auch noch keine Angst.

Zeit für Rudolf in den Raum zu platzen. Leicht erhitzt, mit roten Bäckchen. Schaut sich hektisch nach einem Platz um und läßt sich zielgenau zwischen die beiden Neuen fallen. Da sitzt er gut und entwickelt noch mehr Hitze. Agnes fordert ihn auch gleich auf, sich mal mit den beiden Damen bekannt zu machen. Fröhlich strahlend kramt er die Grundkonversation hervor: "Hej! Jag heter Rudolf. Vad heter du?" Die neue Nr. 2 kontert mit "Jag heter Anna" und erobert so souverän den Status eines vollwertigen Kursmitgliedes.

Anke bekommt das Vergügen Ellen weiter zu interviewen und stößt zielsicher auf die persönliche Ebene vor: "Är du gift?" Ich fand es extrem praktisch gleich nach der ersten Stunde in der Lage zu sein den Ehestatus zu verifizieren. "Läuft bei dir noch was oder schon vor Anker?" Ellen zieht sich dank Unwissen aber geschickt aus der Heirats-Affäre und weitere Erklärungen erübrigen sich, da Ralf in dem Moment pünktlich eine Viertelstunde zu spät kommt und das heitere Beziehungsraten unterbricht.

Ralf ist lågom. Also so lala. Jetzt nicht menschlich, sondern vom Gemütszustand her. Auf die Frage ob es ihm gut geht - "Hur mår du?" - antwortet er exakt und präzise mit "Ja, jag mår." In der Normalform des Satzes würde da noch ein "bra" für gut oder ein "dålig" für schlecht dran hängen. Aber Ralf liebt diese undefinierten Schwebezustände. Letzte Stunde haben wir nach der Kombi

Agnes: "Är du gift?"

Ralf: "Ja, jag är gift."

Agnes: "Är du lycklig?"

Ralf: "Äh, Ehe, ... hm, ... glücklich, ... hm, ... naja ..."

eben das Wort lågom gelernt. So lala.

Und damit sind wir, abgesehen von Judy, wohl erst mal vollzählig. Judy schaut diese Woche in England nach dem Rechten und wird uns erst nächstes Mal wieder beehren.

Agnes zieht uns trotz Migräne durch ein Powerprogram der schwedischen Grundlagen und hinterläßt uns damit wenigstens genauso erschöpft, wie sie uns zu Beginn des Kurses erschien.

Das Wort des Tages? "Vertulla". Verzollen. Schnaps, was sonst. Ich habe den Eindruck der Kurs bleibt praxisnah.

Und warum Anna als Abdeckerin Schwedisch lernt erzähle ich dann nächstes Mal. Jetzt muß ich erst mal ein paar Vokabeln lernen.