Hamburg, Theater: Ich bin glücklich
Sechs Menschen tuscheln aufgeregt hinter der verschlossenen Tür, kichern verhalten und versuchen krampfhaft mit ihrem Adrenanpegel klar zu kommen.
Ich glaube das ist der Moment den ich am meisten liebe. Bevor Du raus gehst. Wenn Du Dich bereit machst, um auf die Schnauze zu fallen. Los zu lassen. Etwas zu tun, was Du nicht kannst. Dich auf andere zu verlassen, Dein Bestes zu geben und zu wissen, dass Dein Bestes eben nicht gut genug ist. Sich an die eigenen Grenzen zu bewegen, zu lieben, dass sie da sind und manchmal den Schritt darüber hinaus zu wagen.
Sechs Menschen laufen auf die Bühne, geben sich keine Chance mehr auf den Weg zurück. Schalten die Navigation aus und beginnen für den Moment zu leben.
Meine Eltern sitzen in der ersten Reihe. Das Nordlicht in ihrer Mitte. Familiär eingemeindet. Links davon die Improszene, Kamera im Anschlag. Mitte links die lieben Mitspieler von der Mittwochstruppe. Noch mehr Profiaugen. Hinten rechts sehr gute Freunde. Hier bin ich plötzlich nicht mehr anonym. Aber das würde mir nur auffallen, wenn ich wirklich noch denken würde.
Sechs Menschen gleiten durch die Szenen, vertrauen einander und spielen. Sie scheitern, sie brillieren, sie versagen und sie unterhalten. Sie leben ihre Leben auf der Bühne.
Ich bin Mörder, mal schwul, gelegentlich tot, auch alt und gebrechlich, rette Deutschland vor den Russen und bin zu guter Letzt ein Hase. Als Häschen scheitere ich grandios und mich rettet nur der Fangschuss. Ein schöner Tod auf der Bühne.
Sechs Menschen verbeugen sich ein letztes Mal, lassen die Spannung fallen, verweben sich mit den Zuschauern und sind wieder da, unter den Lieben.
Vielen lieben Dank an jeden der da war. Ihr habt uns echt viel Energie gegeben und das war perfekt. Absoluten Dank an Ralf, der leider wegen Krankheit ausgefallen ist, aber großen Anteil daran trug, dass wir gespielt haben.
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Posted at: 01:14 | Permalink | category: /deutsch/hamburg
