Tranzyt #28
links: Katja Danowski, rechts: Wojciech Kuczok
Schon alleine das alte Karstadt-Gebäude mit der Hansepol-Ausstellung wäre wohl einen Besuch wert gewesen. Vor der Lesung blieb noch ein wenig Zeit die verschiedenen Kunstobjekte - nun ja - sagen wir mal wahrzunehmen. Einiges war recht interessant, wobei ich den Harakiri-Hasen zugegebenermaßen nur aus rein voyeuristischen Gründen abgelichtet habe.
Für die eigentliche Lesung durfte man in einer extra eingerichteten Wohnzimmerecke in der alten Verkaufshalle Platz nehmen. Sehr gemütliches Ambiente. Im Ohrensessel zurück lehnen und der polnischen Volksmusik aus einer anderen Zeit lauschen.
Daniel Beskos hatte mit seiner Moderation zwar einige Schwierigkeiten Brücken zwischen Polen und Deutschland zu bauen, aber das hatte ganz unbestreitbar seinen eigenen Charme.
Der erste Autor, Michael Weins, klärte so zum Beispiel direkt zu Beginn, nie mehr als Urlaub in Polen gemacht zu haben und raubte der Moderation jegliche Chance die vorbereiteten Fragen anzubringen. Dafür lieferte er aber danach eine wunderbar traurige Geschichte fehlgeschlagener deutsch-polnischer Kommunikation.
Artur Becker folgte mit der Feststellung, dass ihm nach 21 Jahren Kosmopoliten-Daseins in Deutschland leider auch fast jeglicher Bezug zum heutigen Polen fehlen würde. Daniel blieb auch nicht mehr viel übrig als das nickend zur Kenntnis zu nehmen und zu dem Buch "Die Zeit der Stinte" überzuleiten. Das liegt jetzt übrigens auf meinem Schreibtisch. Muss ich also noch erwähnen, dass es mir gefallen hat?
Die beiden nächsten Autoren, Wojciech Kuczok und Dorota Maslowska, lieferten als Polen zwar den direkten Bezug zu unserem östlichen Nachbarn, aber sie stellten Daniel Besko auf keine geringere Probe. Die deutsche Übersetzung beider Texte wurde von Katja Danowski vorgelesen und so bestand die Aufgabe der eigentlichen Autoren nur in stoischem Dabei-Sitzen. Das führte zu einigen verlegenen Fragen, ob das denn okay wäre und der kurzen Ankündigung, "Dorota würde sich einfach gerne nur hier hinsetzen und eine Zigarette rauchen." Und wenn es auch eine gewisse unfreiwillige Komik hatte, passte es perfekt in die Stimmung.
Ganz großes Kompliment an Katja Danowski. Es hat etwas Faszinierendes wenn Literatur von einer professionellen Schauspielerin vertont wird. Besonders beim Text von Wojciech Kuczok liefen einem Schauer über den Rücken. Wobei ich wahrscheinlich Text-unabhängig an ihren Lippen gehangen hätte. So etwas nennt man dann wohl Bühnenpräsenz.
Wunderbarer Abend.
hamburg lesung transit tranzyt hansepol
Posted at: 10:27 | Permalink | category: /deutsch/hamburg

